Abbrechen
Suche starten
Diese Suche basiert auf Elasticsearch und kann mehrere tausend Seiten in Bruchteilen einer Sekunde durchsuchen.
Mehr erfahren
30 Jahre sind für ein IT-Unternehmen eine bemerkenswerte Zeit. Man könnte jetzt erzählen, welche Programmiersprachen, Content-Management-Systeme und Infrastrukturkonzepte in diesen drei Jahrzehnten gekommen und wieder verschwunden sind. Man könnte Jahreszahlen, Projekte und Meilensteine aneinanderreihen.
Das wäre vermutlich vollständig. Aber es würde wenig darüber erzählen, warum es punkt.de heute noch gibt.
Denn ein Unternehmen bleibt nicht 30 Jahre relevant, indem es möglichst lange am Bestehenden festhält. Gerade in unserer Branche wäre das eine ziemlich schlechte Strategie.
Bei punkt.de haben sich Technologien, Leistungen und Organisationsstrukturen immer wieder grundlegend verändert. Geblieben sind der Blick auf die Probleme unserer Kund:innen, unser technischer Anspruch und die Überzeugung, dass gute Dienstleistungen nur in einem guten Team entstehen können.
punkt.de begann 1996 mit klassischen Internetleitungen. Aus dieser Zeit stammt eine Geschichte, die viel darüber erzählt, wie wir bis heute arbeiten.
Der damalige IT-Leiter von HEINE bestellte bei uns zunächst privat eine Internetleitung. Wir wunderten uns durchaus darüber, warum eine Privatperson eine solche Leitung benötigte. Wir lieferten trotzdem den Service, den wir für richtig hielten. Ein Jahr später kam er mit HEINE als Unternehmen zu uns. Daraus entstand eine Zusammenarbeit, die fast 20 Jahre hielt.
Natürlich lässt sich eine solche Geschichte nicht einfach auf die Gegenwart übertragen. Unsere Projekte sind größer geworden, die Technologien komplexer und die Anforderungen geschäftskritischer. Trotzdem steckt darin ein Prinzip, das bis heute gilt: Wir interessieren uns nicht nur für einen Auftrag. Wir wollen verstehen, welches Problem dahinterliegt.
Bei der Deutschen Post führte das einmal so weit, dass wir bei uns eine virtuelle Postfiliale aufgebaut haben. Wir wollten die Abläufe nicht nur technisch abbilden, sondern wirklich verstehen und testen können. Heute erlebe ich etwas Ähnliches, wenn ich gemeinsam mit unserem Team bei FEGIME sitze. Manchmal verstehe ich nur die Hälfte des Gesprächs – weil sich unser Team und die Ansprechpartner:innen auf Kundenseite so tief in die fachlichen Prozesse eingearbeitet haben.
Ich halte das für eine Stärke. Gute Dienstleistung bedeutet nicht, auf jede Frage sofort eine fertige Antwort zu haben. Sie bedeutet, sich so intensiv mit einer Herausforderung zu beschäftigen, dass aus einem fremden Problem ein gemeinsames wird.
Unser technischer Fokus hat sich in 30 Jahren mehrfach verschoben: von Internetleitungen über Websites mit TYPO3, Hosting und Serverbetrieb bis zu E-Commerce, Automatisierung, digitalen Geschäftsprozessen und KI.
Dabei waren wir selten die Allerschnellsten. Dafür sind unsere Projekte zu groß, unsere Verantwortung zu hoch und wir vermutlich auch nicht „wild“ genug. Wir springen nicht auf jede neue Technologie, nur weil sie gerade Aufmerksamkeit bekommt.
Wir können es uns aber ebenso wenig leisten, Entwicklungen zu verschlafen.
Im E-Commerce sind wir vergleichsweise spät tief eingestiegen. Bei KI waren wir ebenfalls nicht die Ersten, haben die Technologie inzwischen aber bereits weit in unsere Prozesse integriert.
Der richtige Zeitpunkt liegt für uns meistens zwischen zwei Extremen: nicht beim ersten Hype, aber deutlich vor dem Moment, an dem Veränderung nur noch unter Druck möglich ist.
Diese Balance wird schwieriger. Wir müssen uns heute schneller in neue Technologien einarbeiten und vielseitiger werden. Kund:innen können nicht monatelang warten, bis wir ein relevantes System von Grund auf kennengelernt haben.
Das heißt aber nicht, dass punkt.de zur Full-Service-Agentur für alles wird. Wir werden weiterhin kein Marketing, Design oder UX aus eigener Hand anbieten. Unser Feld ist die technische Open-Source-Digitalisierung: CMS, E-Commerce, Automatisierung mit Werkzeugen wie n8n und CIB seven, Identity-Management mit Keycloak, Suchlösungen mit Elasticsearch – und in den kommenden Jahren vermutlich noch einiges mehr.
Dafür brauchen wir Spezialist:innen, die für ihre Themen brennen. Vielseitigkeit entsteht nicht dadurch, dass alle alles ein bisschen können. Sie entsteht durch ein Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten, das sein Wissen miteinander teilt und den Markt aufmerksam beobachtet.
Eine technische Entscheidung aus dem Jahr 2003 prägt uns bis heute.
Damals ging der Anbieter eines proprietären CMS insolvent, das punkt.de eingesetzt hatte. Unser Gründer Jürgen Egeling schlug vor, künftig auf TYPO3 zu setzen. Seine Begründung war ebenso einfach wie vorausschauend: Wenn dieses System irgendwann nicht mehr weiterentwickelt wird, können wir es aufgrund des offenen Quellcodes notfalls selbst retten.
Wir haben diese Entscheidung nie bereut.
Open Source und Unabhängigkeit gehören seitdem fest zu punkt.de. Was Unabhängigkeit konkret bedeutet, diskutieren wir allerdings immer wieder neu. Die Antwort von 2003 reicht für eine Welt aus Cloud-Plattformen, Software-as-a-Service und proprietären KI-Modellen nicht mehr aus.
Für uns bedeutet digitale Souveränität deshalb bewusste Entscheidungen statt Dogma. Auch wir nutzen derzeit beispielsweise Microsoft 365. Entscheidend ist nicht, jede Abhängigkeit grundsätzlich zu vermeiden. Das wäre in vielen Fällen weder realistisch noch wirtschaftlich sinnvoll.
Entscheidend ist, die eigene Abhängigkeit zu kennen.
Für Microsoft 365 haben wir eine klare Exit-Strategie erarbeitet. Ein Wechsel wäre nicht schmerzfrei und nicht reibungslos. Aber wir wissen, wie wir vorgehen könnten, wenn er notwendig wird. Dieses Prinzip übertragen wir auch auf unsere Kundenprojekte: Neue Kund:innen erhalten von Beginn an eine Exit-Strategie.
Niemand sollte mit uns zusammenarbeiten müssen, weil technische oder organisatorische Umstände einen Wechsel praktisch unmöglich machen. Wir wollen, dass Kund:innen bei uns bleiben, weil die Zusammenarbeit funktioniert.
Das ist für mich gelebte Unabhängigkeit.
Der größere Teil unserer Veränderung war von außen vermutlich kaum sichtbar. Denn wir haben nicht nur unser Leistungsportfolio weiterentwickelt, sondern auch die Art, wie wir das Unternehmen organisieren.
Als ich 2010 als dualer Student zu punkt.de kam, wollte ich zunächst Integrator werden. Relativ schnell stellte ich fest, dass das nicht mein Weg war, und wechselte noch während des Studiums in den Vertrieb. 2013 übernahm ich die Verantwortung für Vertrieb und Marketing, arbeitete später drei Jahre als Product Owner eines Entwicklungsteams und stieg 2019 in die Geschäftsführung ein.
Dass dieser Weg möglich war, sagt viel über punkt.de aus.
Auch das Unternehmen selbst hat verschiedene Organisationsmodelle durchlaufen. Wir kamen aus einem klassischen Projektmanagement, führten 2012 feste Teams und Product Owner ein und entwickelten im Rahmen von „Reinventing punkt.de“ unsere Organisation grundlegend weiter. Später übernahm eine PO-Runde einen Teil der Unternehmensführung. Darauf folgte das punkt.de-Impuls-Gremium. Inzwischen befinden wir uns im Generationswechsel mit einer neuen Geschäftsführung; Jürgen zog sich 2023 aus der Geschäftsführung zurück und unterstützt uns heute noch in technischen Fragen.
Nicht jeder dieser Schritte war auf Anhieb richtig. Wir sind dabei auch in Richtungen gelaufen, die wir später korrigieren mussten. Das gehört zur Wahrheit eines Unternehmens, das sich über einen so langen Zeitraum weiterentwickelt.
Worauf ich stolz bin: Diese Veränderungen haben uns nicht zerrissen.
Sie haben Diskussionen ausgelöst und Kraft gekostet. Gerade Jürgen und ich hatten häufig unterschiedliche Vorstellungen – besonders, als ich noch relativ jung die Verantwortung für den Vertrieb übernahm. Aber diese Auseinandersetzungen haben uns weitergebracht. Nicht, weil am Ende immer einer recht hatte, sondern weil unterschiedliche Perspektiven bei punkt.de ausgehalten werden konnten.
Heute unterstützen verschiedene Austausch- und Entscheidungsgremien diese Zusammenarbeit. In der Docu Crew sitzt beispielsweise eine Person aus jedem Team. Dort entstehen firmenweite Standards – von Coding Guidelines bis zu Richtlinien für mobiles Arbeiten. In „Dev Meets Ops“ werden übergreifende Infrastrukturfragen geklärt und zentrale Komponenten direkt umgesetzt.
Gute Zusammenarbeit entsteht nicht allein durch ein Leitbild. Sie braucht Räume, Verantwortlichkeiten und funktionierende Strukturen.
In den vergangenen Jahren haben wir mehrfach darüber nachgedacht, schneller zu wachsen, mehr Themen abzudecken und am Markt sichtbarer zu werden. Wir hätten versuchen können, Design, UX und Marketing selbst aufzubauen und jede benötigte Kompetenz unter einem Dach zu versammeln.
Wir haben uns bewusst anders entschieden.
punkt.de ist im besten Sinne eine Nerdbude. Wir haben einen hohen Anspruch an unsere technische Arbeit und wollen diesen Schwerpunkt nicht verwässern. Eine klassische Full-Service-Agentur muss zwangsläufig andere Kompromisse eingehen. Das ist nicht schlechter – es ist ein anderes Modell.
Komplementäre Kompetenzen binden wir deshalb über langfristige Partnerschaften ein. Mit sulit.digital verbinden wir Design und technologische Umsetzung, ohne so zu tun, als hätten wir selbst für jede Disziplin die besten Antworten. Über 1_FORGE können wir große TYPO3-Projekte gemeinsam auf Augenhöhe umsetzen.
Um dieselbe Größe und Kompetenzbreite vollständig selbst aufzubauen, müssten wir erheblich wachsen. Dabei würden wir vermutlich Teile unserer Kultur verlieren, die punkt.de heute ausmachen.
Unsere Partnerschaften geben uns deshalb das Beste aus zwei Welten: die Fähigkeiten und Kapazitäten größerer Strukturen, ohne unsere eigene Identität aufzugeben.
Ein Jubiläum lädt dazu ein, vor allem zurückzuschauen. Im Moment beschäftigt uns allerdings stärker, was vor uns liegt.
Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre trifft auf einen technologischen Umbruch durch KI. Beides zwingt uns, schneller zu reagieren. Unsere Arbeitsweisen werden sich verändern, ebenso unsere Leistungen und vermutlich auch unser Pricing.
Die klassische Abrechnung nach Stunden kommt an Grenzen, wenn mehrere KI-Agenten parallel an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten. Wie ein faires und tragfähiges Modell künftig genau aussieht, wissen wir noch nicht. So ehrlich müssen wir sein.

Auch die Rollen unserer Kolleg:innen verändern sich. Der Anteil klassischer Codearbeit wird voraussichtlich sinken. Dafür werden Überblick, fachliches Verständnis, Systemdenken und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen, wichtiger. Diesen Wandel gemeinsam zu gestalten, ist eine der größten Aufgaben der kommenden fünf Jahre.
In verschiedenen KI-Runden diskutieren wir deshalb Richtlinien und Prozesse. Dabei suchen wir bewusst den Mittelweg zwischen Begeisterung und Skepsis. Wir wollen Möglichkeiten nutzen, ohne jedes Problem reflexartig mit KI zu bearbeiten.
Vor allem glauben wir nicht an die einfache Erzählung, man könne die Hälfte eines Teams entlassen und das anschließend als erfolgreiche KI-Transformation verkaufen. punkt.de soll auch in diesem Wandel ein stabiler und verlässlicher Arbeitgeber bleiben. Das heißt nicht, dass jede Tätigkeit unverändert bleibt. Es heißt, dass wir Verantwortung für die Veränderung übernehmen und die Menschen dabei nicht aus dem Blick verlieren.
Parallel arbeiten wir an unserer ISO-27001-Zertifizierung. Auch das ist kein isoliertes Sicherheitsprojekt, sondern eine Folge unserer Entwicklung. Wir kommen zunehmend von klassischen Marketinglösungen zu Open-Source-Digitalisierung in geschäftskritischen Prozessen. Je relevanter unsere Anwendungen für das operative Geschäft werden und je sensibler die verarbeiteten Daten sind, desto systematischer müssen wir Informationssicherheit organisieren.
30 Jahre punkt.de bedeuten nicht, dass wir 30 Jahre lang alles richtig gemacht haben. Wir haben Fehler gemacht, Entwicklungen zu spät erkannt und Wege eingeschlagen, die wir später korrigieren mussten.
Aber wir haben uns immer wieder verändert, ohne das Unternehmen dabei zu verlieren.
Technologien werden kommen und gehen. Unsere Organisationsstruktur wird in zehn Jahren vermutlich wieder anders aussehen. KI wird Rollen verändern, neue Leistungen ermöglichen und uns vor Entscheidungen stellen, deren Antworten wir heute noch nicht kennen.
Bleiben sollen etwas anderes: unsere Nähe zu den Problemen unserer Kund:innen, unser technischer Anspruch, unsere Freude an Open Source und ein menschlicher Umgang miteinander.
Wir sind nicht immer die Schnellsten. Wir sind nicht in jeder Disziplin die Besten. Und wir haben nicht auf jede Frage sofort eine Antwort.
Aber wir bemühen uns seit 30 Jahren darum, das Richtige zu tun – fachlich, wirtschaftlich und menschlich. Offenbar nicht ganz ohne Erfolg.