Warum ich Certified Scrum Professional bin

Annette Harder
Annette Harder Scrum aus Überzeugung: Mut, Fokus, Commitment, Respekt, Transparenz
Lesedauer ca. 4 Minuten

Meine Motivation

Die Zertifizierung zum CSP - Certified Scrum Professional war für mich der nächste natürliche Schritt, meinem Commitment zu Scrum als Projektmanagement-Framework Ausdruck zu verleihen und dieses auch nach außen zu spiegeln. Als ScrumMaster fange ich mit der kontinuierlichen Verbesserung bei mir selbst an, weil ich in meiner ScrumMaster-Rolle als "servant leader" den kontinuierlichen Verbesserungsprozess vorleben möchte.

Auf dem Global Scrum Gathering in Berlin, an dem ich im letzten Jahr teilgenommen habe, habe ich viele hochqualifizierte Scrum-Trainer und -Coaches getroffen. Das hat mich zusätzlich angespornt, mich persönlich weiter zu qualifizieren.

Zudem stellte die Art und Weise, wie der CSP-Zertifizierungsprozess abläuft, für mich eine sinnvolle Ergänzung zu meiner intrinsischen Motivation, meine Fähigkeiten als agiler Coach zu verbessern, dar.

Ablauf der Zertifizierung & Unterschiede von CSP zu CSM/CSPo

Die Zertifizierung zum Certified ScrumMaster (CSM) konnte ich mit dem Zeit-Invest von 2 Tagen und dem finanziellen Invest für das erforderliche ScrumMaster-Training erlangen. Eine Schwachstelle daran ist meiner Meinung, dass Berufserfahrung im Scrum-Umfeld dabei nicht voraus gesetzt wird.

"Certified Scrum Professional" (CSP) wird man dagegen, indem man Scrum aktiv lebt. Es gibt drei Voraussetzungen, die ich erfüllen musste, um mich für die Zertifizierung zum CSP überhaupt bewerben zu können.

  • Man muss mindestens 36 Monate Berufserfahrung im agilen Umfeld nachweisen. Diese müssen nicht am Stück sein, aber innerhalb der letzten 5 Jahre.
  • Außerdem werden sogenannte „Scrum Education Units“ (SEUs) benötigt. SEUs sammelt man, indem man z.B. Events oder Schulungen der Scrum Alliance besucht, zu Scrum User Groups geht oder andere Scrum oder Agile Events besucht. Das Global Scrum Gathering in Berlin war hierbei ein Highlight für mich. Aber ich gehe auch regelmäßig in Karlsruhe zur User Group, um mich mit anderen Scrum-Versierten über aktuelle Themen auszutauschen.
  • Last but not least braucht man ein gültiges CSM, CSPO oder CSD-Zertifikat der Scrum Alliance.

Um letztendlich die Zertifizierung zu erhalten, musste ich noch in der Bewerbung meinen agilen "Werdegang" dokumentieren und den jeweiligen Lerninhalt der von mir besuchten Veranstaltungen oder Weiterbildungen beschreiben. Sprich: mein persönlicher Invest war insgesamt sehr viel höher als für die CSM-Zertifizierung.

Ich finde es attraktiv an dieser Form der Zertifizierung, dass sie "einfach" ist, bzw. nahe liegt, wenn sich jemand tatsächlich aus Überzeugung für Scrum interessiert und einsetzt. Für "Zertifikatsjäger" dagegen ist es mühsam, dieses ganze Prozedere bis zur Bewerbung hin zu absolvieren.

Benefit

Das Zertifikat kann so als eine Art Gradmesser für die Qualität und Ernsthaftigkeit betrachtet werden, mit der ich persönlich, und damit auch punkt.de als Firma, in der ich arbeite, Scrum-Werte und -Prinzipien lebe.

Der stetige Austausch mit Kollegen, der durch diese Zertifizierung belohnt wird, befruchtet auch viele Themen, die mit der Transition von punkt.de selbst zu einem agilen Unternehmen betreffen. Nur im Austausch mit agilen Coaches, die in anderen Unternehmen arbeiten, bekomme ich mit, auf welchem Level andere Unternehmen z.B. in Sachen Selbstorganisation auf Unternehmensebene operieren und kann deren Erfahrungen mit zur punkt.de nehmen, so dass wir als Unternehmen davon profitieren können. Das Gelernte lasse ich möglichst zeitnah in die Abläufe und Strukturen bei punkt.de einfließen. 

Die Dimensionen sind dabei vielschichtig, denn Prozess-Optimierung kann ich an vielen Stellen betreiben und unterstützen: Mit der Verbesserung meiner Moderationsskills oder mehr Vielfalt im Spektrum meiner Moderationsmethoden kann ich als ScrumMaster mein Team in der Retrospektive gezielter zu Verbesserungen im Entwicklungsprozess führen – was Zeit spart. Und was Zeit spart, spart im Dienstleistungssektor, wo punkt.de sich bewegt, dem Kunden auch Geld. Auch alle Maßnahmen zur Verbesserung der Code-Qualität, die ich in meiner Rolle als ScrumMaster anstrebe, erwirken für die punkt.de-Kunden indirekt und langfristig einen Benefit, weil guter Code immer besser wartbar und erweiterbar ist.

Für mich ist es wichtig, regelmäßig andere agile Coaches zu treffen, um zu prüfen, ob ich mit meiner eigenen Arbeit noch "richtig" liege. Ich möchte auf keinen Fall "betriebsblind" werden, sondern die Qualität meiner Arbeit regelmäßig selbst hinterfragen. Durch den Austausch mit anderen ScrumMastern, POs und agilen Coaches wird mir das sehr erleichtert. Ich habe so mein agiles Mindset weiter entwickelt und bin in der Lage, dieses Wissen fundiert innerhalb von punkt.de und unseren Kunden weiterzugeben. Auch habe ich unzählige Anregungen zur Verbesserung der Abläufe in meinem Team und bei punkt.de bekommen. Auch davon profitieren unsere Kunden.

In den agilen Prinzipien ist die Zufriedenstellung des Kunden mit dem Fokus auf dessen Wertschöpfung als höchste Priorität festgeschrieben. Verbessere ich durch das Wissen und das Know-How, das ich im Verlauf des Zertifizierungsprozess erworben habe, den Scrum-Prozess und die Scrum-Implementierung bei punkt.de, profitieren so auch unsere Kunden – weil die Wertschöpfung des Kunden integrales Ziel im agilen Mindset ist.

Unterstützung durch punkt.de

Durch die punkt.de wurde ich in den letzten 3 Jahren großartig unterstützt, indem mir z.B. auch die Teilnahme an Events innerhalb meiner Arbeitszeit ermöglicht wurde. Eine Teilnahme am Global Scrum Gathering in Berlin letztes Jahr hätte ich mir privat z.B. überhaupt nicht leisten können.

Die Unterstützung von punkt.de bei der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen ist generell sehr großzügig. Die Entscheidung, ob Mitarbeiter eine Konferenz oder Schulung besuchen, wird bei punkt.de im entsprechenden Entwicklungsteam gefällt, denn es herrscht die Überzeugung, dass im Team am besten bewertet werden kann, welches Wissen das Team bereichern und ergänzen wird. Die Kosten für das Event und die Unterbringung trägt in der Regel punkt.de. Bei punkt.de legen wir viel Wert darauf, als Firma nicht "stehen zu bleiben"!

Fazit

Wenn es euch also wichtig ist, ein guter ScrumMaster zu sein, zu bleiben oder zu werden, dann erfüllt ihr die Voraussetzungen für die Zertifizierung eigentlich sowieso oder bald. Denn wer im agilen Umfeld arbeiten will, weil er von den agilen Werten und Prinzipien überzeugt ist, kommt nicht drum herum, den Austausch mit seinen "agilen" Kollegen zu suchen und Events oder Weiterbildungsmöglichkeiten zu besuchen, in denen es um Scrum und andere agile Methoden geht - weil es die beste Möglichkeit ist, die eigene Arbeit auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern. Die SEUs gibt es dann sozusagen oben drauf. 

Als ich mich dazu entschlossen hatte, mich zum CSP zu bewerben, musste ich alle Veranstaltungsdaten, auf denen ich die letzten paar Jahre war, rückwirkend aus verschiedenen Kalendern, Mitschrieben und Unterlagen zusammen recherchieren. Das hat mich viel Zeit gekostet.

Mein Tipp: Schreibt euch die Veranstaltungen auf, zu denen ihr geht (mindestens Datum, Dauer, Ort, Ansprechpartner und was ihr dort gemacht und gelernt habt) - das kostet wenig, wenn die Erinnerung frisch ist und erspart euch viel Zeit, wenn ihr die Bewerbung einreicht ;-)

Die folgenden Events kann ich übrigens sehr empfehlen:

Weiterführende Links:

https://www.scrumalliance.org/certifications/practitioners/csp-certification/csps-changing-the-world

https://www.scrumalliance.org/certifications/practitioners/csp-certification/why-i-decided-to-become-a-csp 

Open Space Themen bei Global Scrum Gathering in Berlin
Scrum Master Maturity beim Global Scrum Gathering in Berlin
Autor: Annette Harder

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