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Auslandssemester eines DHBW Studenten - Welcome to China

Auslandssemester eines DHBW Studenten - Welcome to China

Es war ein Mittwochabend im späten August. Als ich das Flugzeug am Flughafen Frankfurt betrat, war die Sonne schon am untergehen. Mein Ziel: Guanghzou, China. Trotz aller Vorfreude auf mein Auslandssemester im Land der Mitte, kamen in diesem Moment aber auch mulmige Gefühle in mir auf. Wie würde ich in einem so fremden Land zurecht kommen? Hatte ich mich gut genug vorbereitet und waren meine chinesisch Sprachkenntnisse ausreichend? Die nächsten Tage sollten all diese Fragen beantworten, ändern konnte ich jetzt sowieso nichts mehr.

Zunächst ging es aber nach Doha, dem Umstiegshub von Qatar Airways. Es ging anstelle der Boing 787 - Dreamliner mit dem Airbus A380, dem momentan größten Passagierflugzeug der Welt, weiter. Und das hatte einen guten Grund. Schon hier wurde klar, China mangelt es nicht an Menschen. Der A380 von Doha war komplett besetzt. Es herrschte ein Hektik und ein Durcheinander beim Boarding, die ganz neu und ungewohnt waren. Kaum ein Passagier kümmerte sich um andere. Es wurde geschubst und gedrängt, alles mit dem Ziel schnellst möglich auf den eigenen Sitz zu gelangen. Auf Nachfrage versicherte mir die Stewardess mit einem Grinsen, dass es auf Flügen nach China immer so zu ging. Staunend bahnte ich mir einen Weg zu meinem Platz.

Nach 9 Stunden Flugzeit setzte der A380 dann zur Landung an. Es war ein sonniger Morgen ohne Wolken. Das galt bis etwa 500m Höhe. Dann drang der A380 in ein Meer aus dichtem Dunst ein. Ausgelöst durch Kleinstpartikel in der Luft, vermutlich Smog, und der Luftfeuchtigkeit eines sub-tropischen Klimas. Ich sollte die Sonne erst Tage und einen kräftigen Schauer später wieder erblicken. Schon wenige Minuten nach Verlassen des Fliegers, erinnerte mich China an eines seiner größten Probleme: zu viele Menschen. Und dieses Mal sollte es auch mich betreffen.

Noch vor der Passkontrolle wurde unser Gang ohne ersichtlichen Grund gesperrt und in drei Bereiche eingeteilt. Einen vorderen Bereich mit etwa 50 Personen, einen mittleren Bereich mit erneut 50 Personen, und einem dritten Bereich für den Rest. Unglücklicherweise war ich Teil des letzten Bereichs. Alle 30 Minuten wurde der vordere Bereich geöffnet, die Menschen konnten weiter Richtung Passkontrolle voranschreiten. Dann wurde von hinten aufgefüllt und wieder geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon 20 Stunden unterwegs. Die Aussicht auf weiteres, für mich nicht ergründliches Warten, gab mir keine besonders guten Gefühle. 2 Stunden später durfte ich meinen Fußmarsch Richtung Passkontrolle fortsetzen. Ich hoffte auf ein geringere Wartezeiten an der Passkontrolle, nur um bei Erreichen feststellen zu müssen, dass diese total überfüllt war. Und so verbrachte ich weitere 1,5 Stunden in einer Schlange bevor ich endlich China betreten konnte. Die Gepäckausgabe für meinen Flug war zu diesem Zeitpunkt schon lange geschlossen. Es gab auch keinen Hinweis darauf, auf welchem der 8 Gepäckbänder dieser stattgefunden hatte. Ich gab mir einen Versuch meinen Koffer zu finden, bevor ich das Personal nach Hilfe fragen würde und wählte das 2. Band von rechts. Zu meinem Erstaunen kam in diesem Moment auf exakt dem Band mein Koffer angefahren. Dieser Zufall zauberte ein Lächeln auf meine Lippen und gab mir genug Kraft nicht schon am ersten Tag zu verzweifeln.

Mit meinem Koffer und neuer Hoffnung machte ich mich weiter auf den Weg zum Ausgang, an dem mein chinesischer Studenten-"Buddy" Wilson schon einige Stunden auf mich warteten musste. Wir waren beide froh diese Strapazen hinter uns lassen zu können und machten uns auf die Suche nach einem Taxi, das uns zum Südcampus bringen würde. Der Flughafen von Guangzhou befindet sich nördlich der Stadt, der Südcampus südlich. Und so verlief die Route einmal quer durch die Stadt. Die gesamte Fahrt dauerte etwa zwei Stunden. Es waren zwei Stunden Fahrt durch eine Meer aus Wolkenkratzern und Hochhäusern, auf überfüllten Straßen auf denen es keine erkennbare Straßenverkehrsordnung gab. Die Eindrücke dieses ersten Tages sind schwer in Worte zu fassen. Alles ist viel größer, voller und chaotischer als ich es jemals in Deutschland oder Europa erlebt habe. Ich konnte mit dem Staunen einfach nicht mehr aufhören.

Es war schon dunkel, als wir endlich den Campus erreichten. Obwohl ich nichts erwartet hatte, erschreckte mich der Zustand des Zimmers das ich vorfinden musste dann doch. Ein einziges Zimmer für vier Studenten, "Betten", die nichts anderes als 3cm dicke Matratzen auf Holzplanken sind und mein persönlicher Favorit: die "Toilette", von allen aber nur "das Loch" genannt. Zum meinem Glück genießen Austauschstudenten einen Sonderstatus. Sie teilen ihr Zimmer nur mit einer anderen Person. Mit drei weiteren Zimmergenossen wäre ich verzweifelt.

Nachdem ich meinen Koffer ausgeräumt und mich im Zimmer eingerichtet hatte, holte mich Wilson zum Essen ab. Wir gingen in ein Dorf wenige Fußminuten vom Campus entfernt. Es gab Nudeln, Muscheln, Fleisch und Gemüse in einem, für deutsche Verhältnisse gelinde gesagt, ein weniger hygienisches Straßenrestaurant. Ich hatte aber seit dem Verlassen des Flugzeuges nichts mehr gegessen und vertraute auf die Erfahrung meines chinesischen Freundes. Die Gerichte schmeckten großartig und ich aß mich satt. Nur bei den Muscheln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Ich wollte mir nicht schon am ersten Tag den Magen verderben, aß aber trotzdem. Das Essen und die Gesellschaft der offenen und freundlichen Chinesen fühlte sich wie ein Friedensangebot an, das Friedensangebot eines Landes, das schon am ersten Tag so verschieden und feindlich erschien, dass es mich an meiner Entscheidung zu kommen zweifeln ließ.

Nach dem Essen machten wir uns auf den Heimweg zurück zum Campus, wo mein "Bett" schon sehnsüchtig auf mich wartete. Ich ließ den Tag noch einmal Revue passieren und schlief auf Grund des extremen Schlafmangels unerwartet schnell ein. Was folgte, war die unangenehmste Nacht meines Lebens und das Ende des ersten Tages im Land der Mitte.

Autor: Damian Dochat

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